Hallo,
ich bin Simone
Ich bin in einer Welt groß geworden, in der Gefühle keinen Platz hatten. In einer alkoholkranken Familie übernahm ich als jüngstes Kind früh eine Rolle, die kein Kind tragen sollte: Ich wurde zur Ersatzmutter, stark im Außen, überfordert im Innen. Hilfe annehmen war keine Option – ich kannte es nicht anders. Also funktionierte ich, hielt aus, sprach nicht über das, was weh tat.
Kindheit voller Scham
Meine Kindheit war geprägt von Scham, Rückzug und dem tiefen Gefühl, allein zu sein. Ich wusste, wie man sich um andere kümmert – aber nicht um sich selbst. Der frühe Wunsch nach einer eigenen Familie erfüllte sich: Ich bin Mutter von drei wunderbaren Kindern. Und doch trug ich unbewusst weiter, was ich selbst erlebt hatte – zu viel Verantwortung, zu wenig Raum für mich.
Die Wende kam als ich Al-Anon fand. Zum ersten Mal erkannte ich, dass nicht die anderen sich ändern müssen – sondern ich selbst. Ich begann, Verantwortung für meine eigenen Gefühle zu übernehmen, meine Bedürfnisse wahrzunehmen und auszudrücken. Es war ein stiller, aber kraftvoller Beginn: ein Weg zurück zu mir.
Alles ist im Körper gespeichert
Ich ließ meine sichere Arbeit als Krankenschwester hinter mir und wandte mich dem Körper zu – dem Ort, an dem alles gespeichert ist. In einer dreijährigen Ausbildung zur Rebalancing Körpertherapeutin lernte ich, wie achtsame Berührung Verbindung schafft – zu sich selbst und zu dem, was lange ungesagt war. Es folgten Weiterbildungen in Esalen, Lomi Lomi, Faszienarbeit, Schwangerschafts- und Wochenbettmassage sowie Ayurveda-Massage.
Doch mein Weg ging weiter – tiefer. Ich absolvierte eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin und lernte, meiner eigenen Trauer zu begegnen: dem Verlust meines Zwillings, dem Schweigen um Verstorbene in meiner Familie, dem langsamen Suizid meiner Mutter durch Alkohol. Ich wollte es anders machen. Ich wollte fühlen, benennen, würdigen – auch das, was nie ausgesprochen wurde.
Entwicklung endet nie
Die dreijährige Ausbildung im traumasensiblen Coaching hat mein Verständnis nochmals vertieft. Heute weiß ich, wie tief Prägungen im Körper wirken – und wie sanft Veränderung geschehen darf, wenn sie gehalten wird.
Jede Station meines Lebens, jede Ausbildung, meine Kinder, meine Partnerschaft – sie alle lassen mich wachsen, erinnern mich daran, dass Entwicklung nie endet. Und mit allem, was ich heute über meine Geschichte weiß, kann ich sagen: Ich bin dankbar, dass meine Eltern mir das Leben geschenkt haben. Ich trage sie in meinem Herzen, mit allem, was war und was mich durch sie geprägt hat.
Heute begleite ich Menschen in Momenten der Stille, der Überforderung, der Wandlung. Ich öffne Räume, in denen nichts richtig und nichts falsch ist. Räume, in denen der Körper sprechen darf. In denen Berührung Erinnerung weckt und Bewusstsein wachsen darf. Weil ich selbst erfahren habe, dass Heilung dort beginnt, wo wir uns erlauben, ganz da zu sein.
Mit allem, was wir sind. Und allem, was wir fühlen.